Montag, 29. Dezember 2008

Luang Prabang.

Ich muss einige "Vorurteile" zurücknehmen. Der Flughafen von Vientiane hat neben dem Internationalen Teil auch einen Domestic-Teil und der ist ein besserer Busbahnhof. Unser Abflug nach Luang Prabang ist spontan um eine Stunde vorverlegt worden, wir kommen somit gerade noch rechtzeitig um direkt aufs Flugfeld zu hatschen und in die dann gar nicht sooo alte und klapprige Propeller-Maschine zu steigen. Ein sanftes Abheben und einen schönen, kurzen Flug über wunderschöne Landschaft später sind wir am Ziel und werden mit einem ganztägigen Regenguß begrüßt. Sei´s drum, wir haben uns bereits entschlossen, hier ein paar Tage zu bleiben und erst am 30. Dezember direkt per Bus retour nach Vientiane zu fahren.

Luang Prabang, zu monarchischen Zeiten bis in die 70er-Jahre die Residenz des laotischen Kaisers, ist zauberhaft. Gerade einmal 30.000 Einwohner; geschmückt mit vielen, bunten Wats, hunderten orange betuchten Mönchen und Novizen. Hier gibt es zwangsläufig viel zu sehen und zu erleben. Am ersten vollen Tag "erledigen" wir zahlreiche Tempel samt Tempelberg Phou Si, den alten Kaiserpalast und genießen die Atmosphäre der Hauptstraße mit ihrem belebten Nachtmarkt und einer Unzahl an fesch ausgestatteten Cafés und Restaurants - und wir legen das Programm für die nächsten beiden Tage fest. Abends besuchen wir in einem Jugendzentrum ein Tanz- und Puppentheater, dass aus einem Sozialprojekt entstanden ist. Hier werden zu Beginn nach buddhistischem Brauch Bänder geweiht und uns als Glücksbringer für das neue Jahr um das Handgelenk gebunden. Nehmen wir gerne :-).

Da nämlich übersiedeln wir rund 15km ostwärts in ein echtes Dschungelcamp. Ich bin kein Star, also muss ich hier auch nicht rausgeholt werden: Wir sind hier per Tuktuk eine Stunde rausgefahren, um uns in die natürliche Umgebung der hier ansässigen Elefanten zu begeben. Laos hieß früher ganz offiziell "Land der Millionen Elefanten" - nur noch wenige tausend sind davon übrig. Von denen wiederum sind oder waren viele lange Zeit als "Nutztiere" in der Forstwirtschaft unter oftmals harten und quälerischen Bedingungen im Einsatz. Wohltuend dagegen die "Arbeit" die sie nun haben: Touristen auf ihren Rücken eine Runde durch die Gegend zu schleppen.

Die anfängliche Skepsis (von wegen Tierquälerei) weicht in den zwei Tagen unter Elefanten und ihren Betreuern sichtlich großer Begeisterung. Die Tiere haben ganz offenkundig großen Spaß - und wir auch. Wir reiten zunächst als Begleiter auf einer königlichen Bank am Rücken, dann höchstselbst im Nacken, spüren ein wenig Jurassic Park-Atmosphäre und füttern sie mit Bananen, Bambus und Zuckerrohr. Wir lernen die wichtigsten Kommandos und werden dabei ständig von den "Hütern" der Elefanten, den Mahouts, sowie unserem persönlichen Führer Pat begleitet.

In einer Elefanten-"Pause" fahren wir mit einem kleinen Transportboot den Nam Khien-Fluss entlang zum Tad Sae-Wasserfall, der zwar in seiner Größe nicht mit seinen isländischen oder österreichischen Kollegen mithalten kann, dafür aber anders zu beeindrucken weiß: Über viele kleine Steine und Inselchen lässt sich der Wasserfall in zahlreiche kleine Becken herab und bildet "Pools", in denen man sich auch vorzüglich abkühlen kann.

Ein rundherum tolles Erlebnis wird abgerundet durch die kleine Holzhütte, in der wir die ruhigste Nacht des Urlaubs verbringen - und das umringt von einer beeindruckenden Sternenkulisse. Das Weltall und der gerade aus der Neumondphase getretene Erdtrabant sind mir noch nie in meinem Leben so dreidimensional erschienen, haben mich noch nie so derart gefesselt wie hier. Die unendliche Tiefe des Raumes wird hier spür- und greifbar. Auch in Mitteleuropa gibts schöne Sternenhimmel, aber das hier ist eine Kategorie drüber. Es ist anders, es ist fantastisch.

Am nächsten Tag baden und schrubben wir die 40 bis 60jährigen Elefanten-Damen nach einem frühmorgendlichen Ritt aus dem dschungeligen Elefantencamp im Nam Khien und brechen gegen Mittag schweren Herzens wieder Richtung Stadt auf.

Abends decken wir uns am Nachtmarkt noch mit diversen Textilien und Decken ein und finden langsam großen Spaß am laotischen Nationalsport: Handeln. Morgen beginnt dann die mühselige, mehrteilige Rückreise ins Heimatland. Dranbleiben :-)

Freitag, 26. Dezember 2008

Vientiane.

Heuer mischen wir europaeische und anglikanische Weihnachtstradition auf unsere ganz eigene Art und Weise: Waehrend wir am 25. Dezember um 5 Uhr frueh aufbrechen (zu einer Zeit, wo Santa Claus schon die Socken gestopft hat), ist es in Westeuropa noch Heilig Abend. Wie auch immer, bei uns steht der Weiterflug nach Laos auf dem Programm.

Nun bin ich als geschichtlich und geografisch keinesfalls uninteressierter Mensch vor dieser Reise nicht in der Lage gewesen, genau und gesichert die Hauptstadt und Regierungsform dieses Landes zu nennen. Als einziges Binnenland in Suedostasien von China, Vietnam, Kambodscha und Thailand umarmt, gilt Laos als einer der aermsten Plaetze der Welt, aber auch als eine Art riesiges Freilichtmuseum fuer eine ganze Menge Kultur und Landschaft.

Die Hauptstadt, das ist jedenfalls Vientiane. Und als wir hier ankommen erwartet uns ein hochmoderner, sauberer, professioneller Flughafen, an dem sich die Kollegen in Ha Noi auch noch eine Scheibe abschneiden koennten. Und das, obwohl auch dieser Staat unter einer kommunistischen Einparteienlandschaft, aehm, florieren darf. Die Stadt selbst ist wie ein lauthals schreiender Witz in Richtung Vietnam. Sie zaehlt gerade einmal 250.000 Einwohner, strotzt nur so vor Ruhe im Vergleich zu den Metropolen des grossen Nachbarn und wirkt zu keinem Zeitpunkt wie die Hauptstadt eines Landes mit der Flaeche von Grossbritannien. Keine lauten Hupen, kein Gestank, dafuer aber eine herzerfrischende Optik mit dezent, aber geschmackvoll dekorierten Baeumen und stilvoll eingerichteten Cafes am Strassenrand.

Bei aller Armut, die das BIP wohl ausdrueckt, fahren die Menschen hier wenn, dann vornehmlich (fette) Autos statt Mopeds, haben anders als in Vietnam sogar Supermaerkte und keine Restaurants am Gehsteig. Der "Fortschritt" ist hier zweifellos angekommen, er geht aber ruhiger, ausgeglichener und (wie die Lao selbst betonen:) oekologischer vonstatten. Eine wahre Wohltat nach dem Turbo-Tigerstaat Vietnam.

In unserem "Guesthouse" im Stadtzentrum angekommen muessen wir noch ein wenig auf den Bezug unserer Zimmer warten, dafuer treffen wir eine seit Jahren in Ha Noi lebende Amerikanerin. Beim Kaffee erfahren wir viele Dinge ueber Vietnam, die uns oftmals kopfnicken lassen und uns in vieler unserer Einschaetzungen bestaetigen. Wir erfahren auch viel ueber Laos, ueber unser kuenftiges Ziel Luang Prabang und ueber das Wertschaetzen der angesprochenen Ruhe in diesem Land. Eine hoechst wertvolle und informative Begegnung.

Der Streifzug durch die Stadt fuehrt uns zu einigen "Wats" (buddhistische Tempelanlagen), fuer die Vientiane und Laos bekannt sind. Dazwischen besteigen wir auch die laotische Fassung des Pariser Triumphbogens - sehr lohnend. Das Highlight stellt aber das That Luang dar. Ganz in goldene Farbe getaucht, ist es die wichtigste buddhistische Pilgerstaette des Landes. Maechtig und doch dezent, ragt es 45m hoch in Form einer buddhistischen Grabesstaette - der Legende nach ueber dem hier ruhenden Brustbein Buddhas. Eine voellig andere Wirkung als noch tags davor bei Onkel Ho in Ha Noi.

Vor dem That Luang.

Ein bissl Paris, ein bissl Asien: Patu Xay in Vientiane.

Tief beeindruckt folgen wir dem Ratschlag unseres Laos-Fuehrers in ein entlegenes Wat, um uns in die Krauetersauna zu schmeissen und eine Massage zu goennen, wir hatten ja einen langen, harten Tag... Die angekuendigten Nonnen im Kloster finden wir nicht, dafuer aber eine tuechtige Geschaeftsfrau, die das Konzept zum doppelten Preis genauso anbietet. Nachdem wir uns aber nach dem Koriander-Dampfbad eher wie gerauecherter Lachs fuehlen und die Massagen durch kurzfristig abgeworbene TukTuk-Fahrer beim Zuschauen nicht besonders einladend aussehen, fluechten wir bald wieder.

Das Abendessen am Mekong-Flussufer mit Blick auf die gegenueber liegende, bereits thailaendische Stadt, ist grossartig, aber extrem scharf. Klar... wie Sprache und Schrift ist auch die kulinarische Kultur hier schon eher thailaendisch gefaerbt ;-) Am Stephanitag gehts weiter nach Luang Prabang, eine den Berichten zufolge noch verschlafenere Stadt, die aber viel zu bieten hat. Wir freuen uns sehr darauf, wenngleich der Flug mit der alten, kleinen, klapprigen Propeller-Maschine der "Lao Aviation" wohl eher abenteuerlich werden wird... we'll see!

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Ha Noi & Ha Long Bay

Der Vietnam-Trip biegt in die Zielgerade und uns steht zunaechst einmal ein kleiner Trip durch die Altstadt von Ha Noi ins Haus. Nur: Die "Cyclos" hier durch die engen Strassen zu steuern ist nochmal ein Eck stressiger und unanangenehmer als in Sai Gon und daher auch weniger lustig. Die Fahrer sind unfreundlich und ungeschickt und vermiesen uns ein wenig die Laune, zu Fuss gehen waere die bessere Option gewesen, wie wir spaeter feststellen.

Durch den belebten Nachtmarkt der Hauptstadt retour Richtung Unterkunft wandern und sich so nebenbei ein paar Suessigkeiten und Reis mit Gemuese auf einem der Staende holen, das war ein interessantes Erlebnis und hat uns ein bisschen echtes Vietnamesisches Lebensgefuehl aufsaugen lassen.

Wir bekommen das "Wasserpuppentheater" zu sehen, ein programmiertes Highlight hier. Witzig, liab, sollte man durchaus auch einmal gesehen haben, sowas. Vor allem weil sich hier ueberraschenderweise die Urspruenglichkeit nicht komplett vom angestrebten Massentourismus aushebeln hat lassen wie an anderen Schauplaetzen.

Danach goennen wir uns einen Cocktail auf einer Dachterassen-Bar mit Blick auf die Altstadt und den dazugehoerigen See. Ein kleiner Vorgeschmack auf viel mehr Wasser am naechsten Tag, wo wir nach dreistueniger Busfahrt die Ha Long Bay erreichen. Diese unbeschreibliche Bucht im Nordosten Vietnams hat in der Landessprache den Namen "herabsteigender Drache" - und man lernt schnell verstehen, warum.

Rund 3000 kleine und kleinste Inselchen versammeln sich majestaetisch vor der Kueste, und das Durchcruisen dieser bizarr anmutenden Steinlandschaft mit einem kleinen Ausflugsboot (auf dem wir auch exzellentes Essen serviert bekommen und uebernachten) ist wie das Durchkreuzen eines surrealen Filmsets. Wir kommen an schwimmenden Fischerdoerfern vorbei und besuchen die Sung Sot-Grotte, eine riesige Hoehle aehnlich einer Tropfsteinhoehle inmitten einer dieser vielen Inseln. Ausserdem gibts eine auesserst nasse, aber lustige Kajak-Fahrt in die Jungferngrotte. Hier waeren wir gern noch viel laenger geblieben, die Bilder im Kopf werden uns ohnehin noch lange in Erinnerung bleiben. Die Natur kann halt dann doch einiges...

In Hanoi haelt man zwar touristisch bedingt, aber sonst eher weniger den Heiligen Abend hoch. So vergeht dieser Tag, an dem sonst Licht ins Dunkel geschaut wird, ohne spektakulaere Last-Christmas-Orgien. Dafuer gucken wir uns Ho Chi Minhs Mausoleum (mit dem bizarren Anblick der einbalsamierten Leiche des Staatsvaters), Haus und Praesidentenpalast an, weil das ja dann doch sein muss.

Und zuguterletzt haben wir ein fantastisches Mittagessen in einem No-Choice-Restaurant. Es gibt dort nur eine Speise, die aber ist einmalig: ein am Tisch stehender Holzkohlengrill koechelt einen Topf mit reichlich leckerem Fisch und vielen Kraeutern (plus Nudeln, Erdnuesse und weitere Kraeuter fuer alle am Tisch) - unser Weihnachtsessen, quasi.

Mehr zu Vietnam, vor allem eine Beurteilung der gesammelten Eindruecke (die bei allen Abenteuern und Schoenheiten dieses Landes durchaus ambivalent waren) - dann nach unserer Rueckkehr...

Vorher aber ab nach Laos. Wir haben gestern gerade noch Tickets ergattern koennen und werden am Weihnachtstag (25.) nach Vientiane, die laotische Hauptstadt, fliegen. Von dort weiter nach Luang Prabang (Flug), wo wir einige Tage bleiben werden. Den Weg retour werden wir mit dem Bus wagen, mit einem Zwischenstopp in Vang Vieng, womit wir dann auch die Hauptattraktionspunkte im an landschaftlichen wie kulturellen Hoehepunkten nicht armen Laos in unsere Reise eingebaut haben sollten. Nennen wir es positive Aufregung, was in uns vorgeht.

Achja, und: Frohe Weihnachten auch!

Samstag, 20. Dezember 2008

Hue.

Im ehemals kaiserlichen Hue haben wir zum ersten Mal wirklich Pech mit dem Wetter. Es regnet seit zwei Tagen unaufhoerlich. Angesichts der Lage knapp noerdlich der als "Wetterscheide" dienenden Gebirgskette aber auch nicht weiter verwunderlich. Nichtsdestotrotz stehen die Zitadelle samt "Verbotener Stadt", das Mausoleum eines ehemaligen Kaisers (eher ein riesiger Park), historische Pagoden und dergleichen auf dem Programm. Zum Spasz gibts des weiteren ein "Royal Dinner", bei dem wir in die Klamotten der frueheren Kaiser und deren Gefolgschaft gesteckt werden und dazu von einer Kapelle mit entsprechend alten Instrumenten und Volksliedern begleitet werden.

Waehrend man als "geschichtsverwoehnter" Europaer auf einigermaszen gepflegte Prachtbauten aus vielen hundert Jahren zurueckblicken kann, ist man hier maechtig stolz auf Bauten, die gerade einmal 120 bis 200 Jahre alt sind - dafuer aber fuer uns eher wirken, als waeren sie aus dem tiefsten Mittelalter. Sie sind zumeist recht stark verfallen oder zerstoert. Das Klima, die vielen Kriege, und der erst sehr sehr spaet (1993) entdeckte Wille der Kommunisten, dieses "Weltkulturerbe" (als solches ist praktisch die ganze Stadt bei der Unesco vermerkt) zu schuetzen und zu erhalten haben dazu beigetragen. Dabei sind die Bauten erst seit 1945 (!) nicht mehr in Verwendung.

Unfassbar ist das vor allem dann, wenn man die ebenfalls mittelalterlich anmutenden Geschichten dazu hoert: Wie und wieviele Konkubinen "gehalten" wurden, welche Raenge es gab, dass der Koenig von so gut wie niemandem angesehen werden durfte, welches Erziehungssystem im Kaiserreich herrschte und so weiter.

Die Stadt selbst ist vergleichsweise langweilig. Kann aber auch nur am Wetter liegen, an dem auch die Laune ein bissl dranhaengt. Wie auch immer, morgen brechen wir schon wieder auf. Das Ziel ist die Hauptstadt Hanoi, die auch der vorlauefige Endpunkt des Vietnam-Trips sein wird, davor aber noch den Ausgangspunkt fuer weitere Erkundungsreisen - etwa in die Ha-Long-Bucht - darstellt. Da wirds dann eher schwer mit Internetz. Deshalb schon mal vorsorglich: Frohe Festtage. Wir haben ja noch elf Tage vor uns :-)

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Hoi An.

Drei Tage fuer eine Kleinstadt wie Hoi An auf seiner Reise durch Vietnam vorzusehen, mag anfangs etwas uebertrieben scheinen. Mittlerweile fuehlen wir uns aber dafuer bestaetigt und hier schon richtig heimisch. Kleine Strassen, ein belebter Markt, eine gemuetliche Groesse und wiederum auesserst stylish eingerichtete Bars, Cafes und Restaurants... Hoi An hat was. Die frueher bluehende Handelsstadt scheint die letzten 200 Jahre verschlafen zu haben - und profitiert daher von den japanischen, chinesischen und franzoesischen Einfluessen von damals mit einem immer noch bestehenden, charmanten Altstadtcharakter.

Die Hauptsache sind aber die vielen tapferen Schneiderlein in der Stadt. Es gibt eine schier unueberschaubare Menge an Geschaeften und Schneidereien, die zu unfassbar guenstigen Preisen bei ausgesprochen hoher Qualitaet binnen eines Tages jedes beliebige Muster, jedes Foto, jede Skizze, jeden Katalogausschnitt zu einem handgefertigten Kleidungsstueck mit selbst gewaehltem Stoff in der Lieblingsfarbe verarbeiten. Fragt besser nicht nach Copyrights.

Nora hat einen Tag mit leichtem Fieber (... die ewigen viel zu stark eingestellten Klima-Anlagen... ) dank einer kraeftigen Dosis Paracetamol schnell und gut ueberstanden und sich dafuer umso heftiger dem Einkaufsfieber ergeben. Das Ergebnis sind geschaetzte siebzehn Hosen, dreiundzwanzig Kleider und zwoelf Maentel... oder so. Aber selbst ich habe mich hinreissen lassen und einen tiptop-sitzenden Anzug und eine laengst faellige Winterjacke abgestaubt. Erwartet eine spektakulaere Post-Einkaufsrausch-Modeschau! Ich hoffe hingegen, dass uns nicht der Zoll- und Grenzschutz erwartet *g*. Denn neben am Koerper sitzenden Textilien gibt es hier auch noch jede Menge weitere Verwertungsmoeglichkeiten fuer das Zeug, zum Beispiel auf feschen asiatischen Lampen. Haben wir auch ein paar, jetzt.

Dazwischen haben wir uns einen kleinen "Kochkurs" fuer vietnamesische Kueche gegoennt. Eine ausgesprochen spaszige Angelegenheit mit wirklich vielen nuetzlichen Tipps fuer Zuhause. Das sollte dem zurueckgebliebenem Heimatvolk ueber kurz oder lang auch zugute kommen *g* .

Apropos Essen. Hier gibt es nicht nur die klassisch-asiatische Kueche, sondern auch die von der franzoesischen Kolonialzeit beeinflusste Sueszspeisen-Abteilung. Und so kommt es, dass wir in einer phantastischen Patisserie (The Cargo Club) eine laengst faellige Dosis leckersten Schokokuchen bekommen haben. Jetzt eben kommen wir aus einer schicken Lounge mit Café-del-Mar-Lebensgefuehl und –Musik namens "lo": Essen und Trinken im Liegen, in einem mit sehr viel weiss stilsicher ausgestatteten Plaetzchen mit Blick auf den Fluss.

Morgen gehts per Bus weiter in die alte Kaiserstadt Hue. Soll auch schoen sein, aber nicht ganz so viele Shoppingmoeglichkeiten haben. Fuer die zu tragende Gepaeckmenge vielleicht ein Vorteil. Zuerst aber nochmal zurueck in den Shop, sagt Nora. Mindestens noch eine Tasche kaufen, wo der ganze Krempel reinpasst...

Dienstag, 16. Dezember 2008

Fotos aus Kambodscha.

Wir habens geschafft die ersten Fotos auf einen USB-Stick zu ueberspielen und also einen ersten kleinen Eindruck zu vermitteln. Zunaechst einen solchen von Kambodscha.


Angkor Wat.

Am Eingang zur Tempelanlage in Angkor Thom.


Mehr davon im Picasa-Fotoalbum hier.




Nha Trang.

Wir ziehen langsam nordwaerts und der Tageszaehler wird zweistellig. Die Gegensaetze, die hier die Eindruecke praegen, werden in Nha Trang noch vertieft. Im Nachtzug ist die Anreise, sagen wir einmal "mittelgemuetlich". Mit 180cm Koerpregroesse passt man jedenfalls nicht mehr in die vorgesehenen Schlafabteile. Und das man fuer die Strecke Saigon - Nha Trang eine ganze Nacht braucht, liegt an der wahnsinnigen Geschwindigkeit der Zuege, so etwa 60 km/h.

Nunja, Nha Trang... diese Stadt sieht jemand im Regierungsviertel als die zukuenftige Touristendestination Nummer eins und richtet sie entsprechend her. Noch ist es hier nett, der Strand fuer einen Stadtstrand traumhaft; es gibt ein paar alte Tempelanlagen und eine Art Therme mit speziellen Schlammbaedern, die fuer die Haut super sein sollen. Wir fuehlen uns auch gleich wie Seide danach *lol*. Ein etwa 20stoeckiges Novotel hat gerade eroeffnet, auf einer kleinen vorgelagerten Insel wird gerade "Vinpearl Land" fertiggestellt, ein Luxusressort sondergleichen, das nur mit Seilbahn uebers Meer erreichbar ist (!) und mit Hollywood-artigen Lettern auch in der Stadt selbst "sichtbar" ist. Die "Tourist Traps" sind deutlich spuerbarer und die Bars locken mit Happy Hours... das koennte hier die Vorhoelle von Mallorcas Ballermann werden, wenn sich die Tendenz bestaetigt.

Wir begeben uns mit einem Boot ein paar Kilometer raus aufs Meer und auf eine Insel, die ein nettes kleines Fischerdorf beheimatet. Hier hat jede Familie zwischen fuenf und sieben Kinder, wird uns erzaehlt - und das merkt man auch - die Dorfstrasse ist bestens von den Kleinen bevoelkert. Wieder bestaetigt sich hier die Theorie vom "einfachen Glueck". So positive, freundliche Kinder sind uns im "Westen" noch selten untergekommen. Und die anschliessende kurze Fahrt in einem Korb (!) zurueck zum Ausflugsboot war auch lustig. Dafuer war das Schnorcheln dank des eher maessigen Wetters im wahrsten Sinne fuer die Fisch'.

Seis drum. Diese kleinen Ausfluege ins normale Leben der Vietnamesen sind wirklich wertvolle Erfahrungen und bislang deutlich spannender als das Stadtleben in einem Vietnam, das zwischen absolutem Chaos und totaler Organisation hin- und herpendelt. Dienstag Morgen reisen wir nach Hoi An weiter. Wieder eine Stadt, die ganz anders wirkt, als alles vorher. Bekannt ist das eher kleine, beschauliche Staedtchen fuer seine Schneidereien. Und wenn ich meine Gedanken nach dem ersten kleinen Stadtrundgang so rekapituliere, gibts da sicher wieder einiges zu erzaehlen...

Samstag, 13. Dezember 2008

Mekong-Delta.

Im Gegensatz zum Schock-Erlebnis, dass man bekommt, wenn man unvorbereitet nach Saigon reist, ist das Mekong-Delta suedwestlich davon ein Platz fuer Ruhe, Beschaulichkeit, Freundlichkeit und einfaches Leben. Die Eindruecke konnten unterschiedlicher nicht sein.

Dass die Vietnamesen kreative und clevere Leute sind, haben wir an sich bereits gelernt, als man uns erklaerte, mit welchen Fallen, Tricks und Methoden man den "American Enemy" im Krieg besiegt hat. Hier wird das auf etwas angenehmere Weise klar: Nichts, was nicht benutzt, verwertet oder recycelt werden koennte.

Die Leute leben einfach, haben aber in jedem Fall Moped und Fernseher, Hund(e) und Haehne sowie die unvermeidliche supergemuetliche Haengematte als Status-Symbole. Das Leben spielt sich auf dem Wasser ab, wo auch ein taeglicher Markt (auf Booten) stattfindet. Wir lernen interessante Menschen kennen und wie sie Reispapier oder Reiswaffeln herstellen (sehr lecker!), aus Kokosnuessen Suessigkeiten, Getraenke und Dachbedeckungen bauen. Wir bekommen eine Auswahl an frischen Fruechten (Drachenfrucht, Lychees und Verwandte davon, winzige, aber leckere Bananen und die sagenumwobene "Jackfruit" sowie grossartige Tees serviert. Dazu kommt zum Abendessen selbstgemachte Fruehlingsrolle mit delizioesem Elephantenohrenfisch.

Wir uebernachten in einem fuer Gaeste geoeffneten Privathaus direkt an einem der tausenden Seitenarme des Flusses. Zwecks guten Schlafs sind wir zwar mit Moskitonetz ausgestattet, aber die nutzen nicht besonders viel gegen das laute, wolfsartige Heulen der tagsueber noch so brav und nett dreinschauenden Hunde - und schon gar nicht gegen die hunderten Haehne, die des naechtens hier ihr persoenliches Starmania abhalten.

Zurueck in Saigon scheitern wir am Versuch, eine zusaetliche Fotokarte zu kaufen. In den Internet-Cafes, die es zuhauf gibt, sind die Moeglichkeiten Fotos auf den Desktop (und damit in Folge auf unsere mitgebrachten Speichersticks oder in diesen Blog) zu spielen enden wollend. Das passt wohl nicht mit dem hier herrschenden Kontrollgedanken zusammen.

Waehrend unser weiterer Fahrplan bis Weihnachten feststeht, ueberlegen wir gerade, wie wir die restliche Zeit bis zu unserem Rueckflug (Silvester/Neujahr) verbringen koennten. In Vietnam bleiben ebenso viele Moeglichkeiten wie im benachbarten Laos. Wir werden sehen.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Sai Gon.

Den letzten Tag in Kambodscha haben wir noch kraeftig genutzt, uns ein Floating Village auf dem Tonle Sap, einer dschungeligen Riesenversion des Neusiedler Sees, angesehen. Insgesamt leben auf diesem See 2 Millionen Menschen. Ja, AUF dem See. Mitsamt Hunden und Krokodilfarmen. Dann gabs einen Abstecher in ein Massagestudio... man goennt sich ja sonst nichts... und zuguterletzt einen Besuch in einer Seidenraupenzucht. Die Viecher sind in Kambodscha gelb, aber trotzdem sehr faszinierend. Das soziale Projekt "Artisans Angkor" war den Abstecher wert.

Soweit sogut. Mittwoch abend, wir schreiben bereits Tag 5 unserer Reise, Flug nach Ho-Chi-Minh-City (wie Saigon offiziell seit 1975 heisst). Freie Marktwirtschaft gilt hier im darwinistischen Sinne vor allem im Verkehr: Der staerkere ueberlebt; wer zuerst faehrt, gewinnt. Ampeln, Vorrangregeln... nada. Das ganze Kamboscha-Szenario also, nur zur zirka hundertsten Potenz, diesbezueglich. Ueber die Strasse gehen ist Abenteuer pur, Fussgaenger existieren eigentlich nicht. Dafuer stinken die Millionen Mopeds zum versmogten Himmel. Insofern war die heutige "Cyclo-Tour" risikogeil: Diese Gefaehrte sind nix anderes als Fahrraeder, denen ein "Korb" vorangehaengt ist. Das heisst, man ist dem Fahrradfahrer ausgeliefert, der einen als Schutzpolster voraus hat und mitten durch eine Million Taxis und gefuehlten fuenfzig Millionen Mopeds ueber rote Ampeln und quer ueber Kreuzungen an denen er Nachrang hat, faehrt.

Von wem dieses Land regiert wird, merkt man vordergruendig nicht - beim zweiten Hinschauen an Attraktionspunkten wie den Cu Chi-Tunneln (die die Vietcong gebaut haben, um ein unterirdisches Leben in Sicherheit vor dem "american enemy" zu fuehren) oder Kriegsreliktemuseum (!), beim kultischen Verehren der Fuehrerfigur Ho-Chi-Minh und zwischen vielen Zeilen kommt man sich aber dann halt schon ein bissl gehirngewaschen vor. (Sollte ich jetzt laenger nix schreiben, haben mich die Herren vielleicht schon im Hanoi Hilton eingesperrt, wer weisz... :-).

Morgen auf ins Mekong-Delta, und irgendwann, spaetestens nach dem Urlaub, bleibt vielleicht ein bisschen mehr Zeit, um auf die eigentlich interessante, philosophische Ebene dieser Reise zu kommen. Wir fuehren eifrig Notizen diesbezueglich und haben schon die psychologische Geschichts-Verarbeitung von Nationen nach Kriegen genauso thematisiert wie den suedostasiatischen Louis-Vuitton-Kult und den Wert des Status-Symbols Moped.

Montag, 8. Dezember 2008

Kambodscha

26 Stunden unterwegs, nix geschlafen, dann aber wenigstens am ersten Ziel: Siem Reap, eine kleine ca. 90.000 Einwohner zaehlende Stadt, an deren Rand das sagenumwobene Angkor Wat liegt.

Stellt man sich das Land, in dem das alles liegt, arm und zurueckgeblieben vor, dann koennte man falscher gar nicht liegen. Schon am Flughafen demonstrieren die Visa/Behoerden, dass sie ueber superneue Technologien verfuegen. Und natuerlich sind die Leute hier nicht reich, aber offensichtlich sehr gluecklich und zufrieden - und vor allem irrsinnig freundlich. Die Stadt selbst ist durchaus touristisch, ohne dem schalen Beigeschmack die selbige Zusammenrottungen in Mallorca oder Griechenland haben. Komfort bedeutet hier in erster Linie Sauberkeit - in einer Weltgegend wie dieser eh Luxus.

Kambodscha ist vom Gefuehl her bis jetzt sowas wie eine kleine Zusammenfassung der Welt. In einem Internet-Cafe mit Timeout-Panik ist das nur schwer zu erklaeren, aber kurzgefasst: Bezahlt wird hier prinzipiell nur in Dollar, die Touristen kommen aus allen Winkeln der Erde - und so trifft man schon auch einmal Brian Molko samt ganz Placebo (wirklich) in Ta Phrom, einem der Angkor-Tempeln. Die dabei herrschende babylonische Sprachverwirrung ueberschatten die einheimischen Guides, die ebenso fliessend japanisch sprechen wie deutsch. Manche zumindest. Wir haben keinen echten Guide, dafuer einen TukTuk-Fahrer namens Sakoo. TukTuks stehen fuer die gelebte Langsamkeit des Lebens hier. Alte Mopeds mit Riksha-aehnlichen Anhaengern (Nora sagt dazu Cabrios :-) die nicht schneller als 30, 35 kmh fahren, dafuer aber bis zu sechs davon nebeneinander in abwechselnder Fahrtrichtung. Die Coolness, die die Fahrer von motorbetriebenen Fahrzeugen hier an den Tag legen, muss ich mir erst noch aneignen, um in diesem Dschungel (sic!) zu ueberleben.

Und Angkor Wat? Wirkt in echt ganz anders als auf Fotos. Mehr dann wenn wir auch welche herzuzeigen haben.

Empfehlenswert fuer alle die naechstens hier auch her kommen: Das oertliche vegetarische Restaurant, dass uns gerade den Magen durchraeumt. Wirklich leckeres "Cambodian Curry" hatt ich da eben, und einen noch besseren Mango Shake. So passt das :-)

Die Muecken sind uebrigens laestig, aber nicht gar so viele, noch. Trotz NoBite-Sprays haben wir schon ein, zwei Stiche abbekommen... hoffentlich solche ohne Dengue-Fieber davon auszufassen... wir wissens in zwei bis drei Tagen (Inkubationszeit... spannend...).

So. Die Zeit ist aus. Bis bald.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Let´s go Urlaub.

Nach einigen nicht unspektakulären Wendungen in der Planung eines Entfliehens der Heimat im Monat Dezember (eine Besetzung des für Südostasien essentiellen Verkehrsknotenpunktes Bangkok International Airport ist nicht die beste Voraussetzung für eine Reise nach Vietnam) gehts am Samstag nun doch los. Wir haben fast alle Impfungen, fast alle Visa, dabei mit dem bloßen Aussprechen des Reisezieles fast alle Verwandten wahnsinnig gemacht und verhältnismäßig fast keine Zeit, uns geistig auf das einzustellen, was da an Kulturschock kommen wird. So gehört sich das :-)

Ich werde diesen Weblog nach Möglichkeit dazu benutzen, ein klein wenig Tagebuch zu führen beziehungsweise Bericht zu erstatten, was zwischen den diversen Paniken mir nahestehender Menschen (...eine Auswahl? Unsichere Fluglinien, Terror, Tollwut, Malaria, Dengue-Fieber, Vogelgrippe, Kommunismus, Überdiestraßegehen, die Welt an sich...) an Entdeckungsfreude und Neugier durchkommt. Let´s see. Ich bin jedenfalls erst 2009 wieder da. Vielleicht ja dann mit Diaschau oder so.

Der Plan, zum Mitverfolgen und Mitschreiben, ist in etwa der:
Samstag (06.12.) via Frankfurt nach Ho-Chi-Minh-City (früher: Saigon) - (eigentlich eine klassische Geschäftsmänner-Flugroute ;-)...), dort (es ist dann bereits Sonntag früh) volley weiter ins kambodschanische Siem Rap. Wir bleiben dort drei Tage um Angkor Wat zu erkunden.

Am 10.12. per Flieger retour nach Ho-Chi-Minh-City, wo wir dann auch noch ein wenig von der Stadt mitkriegen, ehe wir für zwei Tage ins Mekong Delta pilgern (per Schiff, natürlich). Am 14./15. werden wir einen Stopp in und um Nha Trang einlegen, um dann weiter Richtung Norden zu ziehen und in Hoi An und Hue (die alte Kaiserstadt Vietnams) Halt zu machen. Wir enden kurz vor Weihnachten in der Hauptstadt Hanoi, um von dort aus die Ha Long Bay ins Langzeitgedächtnis einwirken zu lassen und am Weihnachtstag selbst in Hanoi einen Schluck altkolonialistischen französischen Rotwein zu kippen.

In der letzten Woche wollen wir uns unter anderem noch die Stadt, deren Name Vorbild für ein superbes südostasiatisches Lokal in Wien 7 ist, geben: Sa Pa. Retour nach Hanoi und später per Flieger nach Saigon (HCMC) gehts am 31.12., wo wir laut Plan fünf Minuten vor Mitternacht (und also 2009) in Richtung Frankfurt abheben - und wenn sich das alles wirklich so ausgeht - sogar das Neujahrskonzert noch live im österreichischen Fernsehen sehen könn(t)en.

Mittwoch, 3. September 2008

Selbstausbeutung.

Wirklich viel Geld verdienen können Leute nur dann, wenn sie andere ausbeuten. Manche wollen diesem fast darwinistischen Prinzip aus menschlich-sozialen Gründen nicht folgen - und wählen die masochistische Version davon, beuten sich selbst bis zum Letzten aus - und müssen sich dann wundern, wenn nichts mehr von ihnen übrig ist. Eine kleine Reflexion über das große Mißverhältnis zwischen diesen beiden Gruppen, die eigentlich drei sind.


Es ist schade, Anlassfälle zu brauchen, aber hier ist nunmal wieder ein trauriger: Das junge, frische und durchaus lobenswerte und interessante Webzine chilli.cc schließt seine Pforten - mit einer ganz wichtigen Begründung:

"Weitere jahrelange ehrenamtliche Selbstausbeutung der CHiLLi.cc-Mitarbeiter und mir selber kann ich nicht mehr verantworten. Neun Jahre sind genug. Leider hat sich kein Verrückter gefunden, der meine Nachfolge antreten wollte."

Selbstausbeutung ist ein klassisches "Prinzip Hoffnung", wenn man ein Mensch ist, der Neues probiert und an sein Projekt glaubt. Man gibt sich sehr lange dieser Hoffnung hin und nicht allzu selten bin auch ich selber vor dem Problem gestanden: "Wie lange tu ich mir das noch an?", oder war kurz davor, "alles hinzuschmeissen". (Momentan machts grad wieder sehr viel Spaß, danke der Nachfrage).

Aber: Ist das nicht massiv unfair? Da holt man alles aus sich raus, ist sich der Qualität seiner Arbeit, der Sinnhaftigkeit seines Tuns sicher - aber die wirtschaftliche Situation sagt einem, das man ein Trottel ist? Das man seine Existenz ruiniert oder riskiert, obwohl man auf der anderen, der "dunklen Seite" der Macht sitzen könnte, massig Kohle scheffeln dürfte und keine finanziellen Sorgen haben müsste? Und man tut es nicht für den Preis, sich in den Spiegel schauen zu können? Wie blöd muss man sein!?

Wer Thomas Webers letztes Editorial in "the gap" gelesen hat, weiß, wovon ich rede. Je älter man wird, desto wirtschaftlich abhängiger wird man. Im Grunde ist auch das alte "in der Jugend links, im Alter rechts"-Dilemma das selbe. Ideale rücken in den Hintergrund, die Geldbörse nach vorn. Ziele und Wünsche verändern sich, Progressivität und Kreativität weichen konservativeren Werten, Sicherheitsdenken und geistigem Stillstand.

Und irgendwie ist das auch ganz natürlich. Man will oder muss sich eine eigene Wohnung leisten, womöglich eine Familie oder ein erstes eigenes Auto, dass einem nicht der Papa finanziert hat. Die Vorteilscard ist teurer geworden, weil man keine 25 mehr ist, Studentenermäßigungen sind von gestern, weil man sein Diplom bereits in der Tasche hat. Die Welt sagt einem: Werde erwachsen, mach was aus deinem Leben, verdiene Geld, trage zum Wirtschaftswachstum bei und gib´s auch aus!

Es ist bis dahin der vielleicht schwierigste Bruch mit seinem eigenen Leben, ein teils dann doch recht bitterer und harter Lernprozeß, den man keinem abnehmen kann - und er kommt einfach und unangekündigt auf einen zu, früher oder später.

Viel schlimmer als diese wichtigen Erfahrungen sind aber Leute, denen diese Erfahrungen vorbehalten werden. Das sind vorwiegend jene Menschen, die bereits im "Geiz ist geil"-Karma aufwachsen, denen vermittelt wird, wie ultimativ wichtigst Kapital ist. Werte sind hier in erster Linie Zahlen, vorwiegend auf Konten oder gar auf Aktienseiten. "Verdiene Geld!" ist keine Überlebens-Notwendigkeit, es ist ein Anspruch.

Du musst Geld haben, um mitzuspielen. Schon in jungen Jahren. Und damit werden Idealisten und Ideale immer mehr und immer öfter schon sehr früh in den Hintergrund gedrängt. Und das macht mir Sorgen. Gleichzeitig ist diese "Ich will alles haben"-Mentalität natürlich nicht neu, aber sie ist immer noch ziemlich dumm. Irgendwie habe ich deshalb durchaus auch Vergnügen und Schadenfreude, wenn ich das System teilweise zusammenbrechen sehe - wenngleich das ein massives wirtschaftliches und allgemein gesellschaftliches und politisches Problem der nächsten Jahre zu werden droht.

In den USA platzt die "Immobilien-Blase", plötzlich kommen die Leute drauf, dass sie in den letzten 30 Jahren nur "auf Schulden" gebaut haben - sprichwörtlich. Gleichzeitig merken auch Kreditkarteninstitute, dass ihr "Geschäft" eigentlich keines ist, wenn ihre Kunden im Glauben eh Geld zu haben plötzlich zahlungsunfähig werden.

Bei uns sind die Kids von heute spätestens mit 17 verschuldet. Aus dem kleinen bißchen Taschengeld von früher sind "Verpflichtungen" geworden: Handies wollen finanziert werden, der iPod muss irgendwo herkommen, das Auto sowieso und überhaupt. Die Ausgaben der Jugendlichen sind exorbitant, das Kostenbewusstsein dagegen verschwindend gering. Es geht nur noch um den Konsum, um das Habenwollen. Ob man Geld tatsächlich HAT, ist dabei relativ wurscht.

Werte, Ideen, Progressivität? Nada. Kommen in diesem Spiel nicht vor. Die Ironie an dieser Beschwerde ist: Auch diese Leute entgehen dem eingangs erwähnten Spiel nicht, sie merken es bloß nicht. Sie haben zwar weder Kraft noch Wille, sich - notfalls auch unter der Flagge der Selbstausbeutung - an der positiven Veränderung der Gesellschaft zu beteiligen. Sie sind aber auch nicht jene, die genügend Lektionen lernen, um das Spiel zu verstehen - sind die Eltern erstmal nicht mehr da, ist keiner mehr hier, den man ausbeuten könnte. Sie sind vielmehr jene, die ausgebeutet werden - von der bösen, großen, kapitalgesteuerten Welt, der sie auch noch mit Vergnügen in die Karten spielen. Mit der von ihnen selbst mit Wonne gezogenen Arschkarte.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Quote deus bene vertat*

In seltener und erstaunlicher Einigkeit rafft sich die hiesige "Musikbranche" dazu auf, einmal mehr und lauter denn je nach einer Quote zu schreien. Ich bin dagegen.

(* "Quod deus bene vertat" - "Gott möge es zum Guten wenden")


Weil ich ein naiver Romantiker bin, finde ich Quoten prinzipiell problematisch. Ich kann die "Frauenquote" nicht leiden und möchte sie weder im Parlament, noch auf Unis, noch im Haushalt, noch sonstwo haben. Ich kann mit "positiver Diskriminierung" nichts anfangen. Und das aus Prinzip.

Warum? Weil ich einfach nicht verstehen will, dass es so etwas überhaupt braucht. Weil es selbstverständlich für mich ist, Weiberl und Manderl gleich zu behandeln. Weil rein beruflich Qualifikationen und soziale Kompetenzen zu zählen haben, kein öder Nepotismus und auch nicht die hormonelle Verfassung der Person. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Ich bin ein expliziter Fan der Gleichberechtigung, im Wortsinn.

Nun ist jüngst wieder die Diskussion um die sogenannte "Radioquote" aufgeflammt, die - am besten gesetzlich bestimmt - den Anteil österreichischer Musik im österreichischen Radio heben soll. Nach Vorbildern wie dem französischen (40%!) zum Beispiel. Ich halte die Quote als solche für ein Armutszeichen und für Blödsinn, und damit stehe ich in diesen Tagen schon recht alleine da.

Unbestrittenes Faktum ist, dass in hiesigen Breiten in Österreich produzierte Musik einen unfassbar niedrigen Stellenwert hat. Selbst Fußball steht im Vergleich blendend da. Ö3, sich mit den "neuen Österreichern" brüstend, plakatiert diese zwar, jagt sie aber kaum über den Äther: Der Anteil österreichischer Musik im Sender liegt jüngster Statistiken zufolge bei sagenhaften 5% (und die blödsinnigen Jingles sind da sendezeitmässig angeblich miteingerechnet)

Weil es sich um den marktdominierenden Sender handelt, ist das natürlich relevant. Denn Airplay generiert nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Geld. Es bringt Tantiemen über die AKM (für Autoren, Komponisten und Verleger), im weiteren Sinne in der Regel auch bessere Platzierungen im Handel (Libro kauft nach Ö3-Airplaylisten ein) und folglich in den Charts. Ebenso die Regel ist das "Nachziehen" der Ö3-nacheifernden Privatradiomasse, die sich immer noch sehr stark an den Listen des Marktführers richtet. Von der medialen Folgewirkung, dem geänderten Medien- und Konsumentenverhalten ganz zu schweigen.

Wenig überraschend also: Ein zentraler Schlüssel für den wirtschaftlichen Erfolg eines Tonträgers in Österreich ist Ö3. Und der Erfolg ist wiederum die Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer ganzen (und hierzulande leidenden) Industrie. Die Kritik am Sender macht man hauptsächlich an seiner Formatierung und Ausrichtung fest, weil Ö3 als Teil des ORF natürlich ebenso dem vielzitierten "gesetzlichen Kulturauftrag" unterliegt, den gerade Ö3 nicht so wirklich beabsichtigt zu erfüllen.

Die richtige Forderung nach mehr österreichischer Musik im Radio ist also gut und staatlch gesehen sehr sinnvoll begründet. Warum aber dazu eine verpflichtende Quote einführen?

Was Ö3 anrichtet, wenn es "mehr Musik, mehr Abwechslung" ankündigt, wissen wir. Ebenso, was mit den "neuen Österreichern" (nicht) passiert ist. Mangels tatsächlicher Qualität konnten sich kaum welche davon wirklich durchsetzen. Gründe dafür sind vielschichtig und stehen auf einem anderen Blatt Papier, man sieht aber: Ö3 alleine macht das Kraut auch nicht fett und aus einem Aschenputtel noch lange keine Prinzessin.

Die Argumente des großen Senders "gegen" österreichische Musik sind ja weder neu noch originell - und scheinen noch dazu eine Art "self fulfilling prophecy" zu sein, wenn man das oben genannte Beispiel hernimmt. Im wesentlichen beantworten die Senderchefitäten ganz einfach die Huhn-Ei-Frage anders als die Branche. Sie lautet: Hört das Volk die Musik gerne, weil sie Ö3 spielt oder spielt Ö3 die Musik, weil sie das Volk gerne hört? Die Branche behauptet ersteres (Huhn), während Ö3 auf zweiteres beharrt (Ei) - hauptsächlich gestützt auf recht idiotische Hörerumfragen und -tests.

Derlei Argumentationen zu umschiffen, bringt wieder andere auf den Plan. Nimmt man Ö3 nämlich (und soweit reicht der "Plan" der Quotisierung) tatsächlich seine Formatierung und hochkommerzielle Ausrichtung und schafft damit tatsächlich mehr Pluralismus in der österreichischen Radiolandschaft; verliert also Ö3 durch potentielle "kulturellere" Ausrichtung letztlich deutlich an Quote, dann ist das möglicherweise ein Schuß ins eigene Knie.

Der ORF ist schließlich ein gigantisches Wirtschaftsunternehmen, Ö3 seine Cash Cow. Ein starker ORF ist der stärkste AKM-Zahler und damit indirekt "Förderer" Nummer eins des heimischen Kulturguts. Geht also eine stärkere nationale Ausrichtung zu Kosten der Quote, verdient der ORF weniger Geld. Die Konsequenz wäre zwangsläufig auch ein deutliches Minus an Tantiemen (von denen dann halt mehr im Inland bleibt) - soweit, sogut. Doch im schlimmeren Falle bringt das auch wirtschaftliche Troubles für die große ORF-Mutter mit sich.

Die könnten bedeuten, dass die einzig tatsächlich kulturell wertvollen Sender der Kette, Ö1 und FM4, schleichend in ihrer Existenz bedroht wären. Denn Einsparungen treffen redaktionsintensive Sender (wie eben diese beiden) seit jeher am stärksten. Und was Ö1 und FM4 in Sachen Bildung und Kultur leisten, ist absolut nicht zu unterschätzen und kann durch ein auch noch so "kulturelles" Ö3 wohl nicht ersetzt werden. Und will man das überhaupt? Die Quote könnte also paradoxerweise Ö1 und FM4 das Leben deutlich schwerer machen und im Wortsinne das Wasser abgraben - und so rasch ein Strukturproblem darstellen und selbst werden.

Ich wiederhole mich also: Wir brauchen keine Quantitätsdiskussion, die die Quote letztlich ist, sondern eine Qualitätsdiskussion. Und für die braucht man eher den gesunden Haus- und Sachverstand denn ein Gesetz. Warum Menschen mit soundsoviel Prozent österreichischer Musik zwangszubeglücken, die eh nicht goutiert wird und eh keiner hören will, wie die Radiomacher (gern auch die Privaten) behaupten?

Ich behaupte: Es geht im weiteren Sinne um ein völlig neues Selbstbewusstsein und ein Selbstverständnis im Verhältnis zur österreichischen Musik. Und das kann eine Quote nicht (oder nicht im Alleingang) bringen. Es braucht ein Umdenken, ein "Klick" im Hirn der Sendungsmacher anstelle eines "%".

FM4 hat das im "alternativen" Segment vorgemacht, spielt seit 13 Jahren selbstverständlich und ganz ohne Quote, gleichberechtigt neben anderer auch österreichische Musik, hat den Stellenwert der Ö-Musik in seiner Zielgruppe bedeutend erhöht und als Folgeerscheinung erlebt, wie die Dichte und Menge hiesiger Produktionen in den Himmel schoß. Der Markt an Kleinlabels, kreativen Künstlergruppen und -netzwerken, Initiativen, Booking-Agenturen, Festivals mit Österreich-Schwerpunkt und so weiter wächst und gedeiht.

Das "hausgemachte" Problem von FM4 ist der künstliche ORF-interne Graben zum großen Bruder Ö3 hin: Das Problem, dass nur wenige der auf der einen Seite "erfolgreichen" Acts im "Mainstream" landen und eine wirtschaftliche Existenz für sich und ihre Autoren, Komponisten, Labels, Booker, Manager aufbauen können, liegt hier begraben. Ö3 wiederum hat es nicht geschafft, den Qualitätsanspruch der Funkhaus-Crew auch nur ansatzweise auf "Mainstream" zu übersetzen. Das liegt natürlich auch an den "großen" Plattenfirmen, die keine entsprechenden, interessanten Produkte liefern, sondern sich hinter Massenware aus dem Alpen-Musik-McDonalds vergraben.

Originalität und Qualität findet man eher in kleinen Zellen, die aber rasch das große Strukturproblem schonungslos aufdecken: Es gibt keinen Markt (das erwähnte wirtschaftliche Problem), also gibt es keine Struktur; es fehlt an allen Ecken und Enden: Es fehlen vernünftigen Ausbildungsmechanismen für Musikmanagement, -produktion und -vermarktung, es fehlt Kapital und es fehlt - natürlich - der Mut der Sendungsmacher, dieses Rad in Bewegung zu setzen - und sie säßen zweifelsohne am Pedal. Also: Mehr Musik aus Österreich im Radio? Ja, bitte! Aber bitte unbedingt mit Mut, Herz und Verstand.

Wenn Peter Paul Skrepek mit einer Pro-Quoten-Initiative namens "SOS Musikland" völlig zurecht darauf hinweist, dass es wichtig wäre, den kulturschaffenden Charakter dieses Landes weiterzutragen und neu zu entwickeln, dann übersieht er in der damit verbundenen Forderung nach der Quote eben genau den Punkt: Dass die Quantität nicht gleichzusetzen mit der Qualität ist. 50 neue Österreicher statt fünf machen das Programm nicht besser und stellen nicht gleich den Ruf des Musiklandes Österreich wieder her. Wahr und klar ist aber, dass ein wirtschaftlicher Impuls zur potentiellen Grenzüberschreitung für Künstler, Labels, Verlage her muss.

Fazit: Die Quote wäre im besten Falle ein Symbol, das Hoffnung verbreitet. Dass Symbole alleine diese Hoffnung aber nicht zu erfüllen vermögen, weiß keiner besser als ein naiver Romantiker.

Sonntag, 4. Mai 2008

Festivals are the strangest things.

Letztens wurde ich gefragt, ob ich für den Festivalplaner der Wiener Jugendinfo, "Sun & Gatsch", eine kleine Eröffnungskolumne verfassen wollen würde. Nichts lieber als das. Damit das Ergebnis auch online steht: here we go.

Festivals are the strangest things.

Der menschliche Körper, so erklärte mir ein „Nutritionist“ (neudeutsch für Ernährungswissenschafter), hat sich nicht in der selben Geschwindigkeit entwickelt wie die menschliche Zivilisation und ihre Kulturen. Deshalb sind neuerdings um sich greifende Dinge wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten (etwa Lactose-Intoleranz) etwas völlig Logisches. Deshalb ist die Fastfoodisierung, die fleischlastige, gemüse- und obstarme Ernährung der Jetztzeit so besonders „böse“ für unseren Körper. Sie ist schlichtweg „unnatürlich“, wir sind nämlich noch massiv auf „Steinzeit“ programmiert - und damals sah die Futter-Welt ja fraglos etwas anders aus.

Ja, eh. Aber immerhin: Die Rückbesinnung gibt es zumindest einmal im Jahr, wenn der Sommer uns überkommt. Dann greifen die urtümlichen Instinkte des Menschen um sich. Die unbändige Sehnsucht nach Frischluft und Natur. Das bewusste Zurschaustellen des nackten Körpers. Das lustvolle Übernachten im Freien. Die spontane Rudelbildung. Der massiv steigende Jagdinstinkt. Die vonstatten gehenden Rangordnungs-, Beeindruckungs- und Hahnenkämpfe (zumindest symbolische, begleitet vom „männlichen Beschützerinstinkt“). Das sprichwörtliche Opfern des letzten Hemdes zugunsten der Ermöglichung fortgesetzter Nahrungsmittelzufuhr. Das Aufführen von rituellen Tänzen (gern auch zur Vertreibung böser oder Herbeiholung guter Geister). Von Tausch- und Paarungsritualen (sowie deren Vermischung) ganz zu schweigen.

Für kurze Zeit lassen sich dann die Errungenschaften der sogenannten Zivilisation voll und ganz ausblenden und der Geist wird eins mit dem Körper: Er folgt seiner Programmierung und Bestimmung in eine längst vergessene Periode menschlichen Daseins. Die damit einhergehenden Glücksmomente erzeugen die Bestätigung: Wie gut, dass es den Sommer mit seinen Begleiterscheinungen gibt!

Musik? Nebensächlich. Das ist schließlich eine kulturelle Ausgeburt dieser Hölle namens Zivilisation. Irgendwie. Andererseits… schon mal überlegt, dass die Wortschöpfung „Rock and Roll“ das alles zusammen ziemlich gut auf den Punkt bringt?

Freitag, 8. Februar 2008

Wissen und Glauben.

Es ist eine einfache Weisheit: Was man nicht weiß, muss man glauben.



Glauben, zum Beispiel an Gott, ist so etwas. Wir wissen nicht, ob oder dass es ihn gibt. Man kann es schlichtweg nicht beweisen. Also „muss“ man es glauben (oder eben auch nicht). Um auf die Eingangsweisheit zurückzukommen: Früher „wussten“ die Leute, dass die Erde eine Scheibe ist, der Himmel war oben, die Hölle unten. Weil Gott etwas „Höheres“ sein musste, war er natürlich oben - im Himmel.

Im Lauf der Jahrtausende der Menschheitsgeschichte hat sich dieses Bild etwas relativiert und es wäre vermessen, zu behaupten, es würde sich die nächsten hundert Jahre nicht verändern. Was „wissen“ wir schon? Jetzt sind wir zwar von der Glaubensgesellschaft hin zu einer Wissensgesellschaft unterwegs, in Wirklichkeit sind wir aber von zweiterem auch noch weit entfernt. Und wer weiß, dass er nichts weiß, der weiß im Grunde genommen schon sehr viel (das „wusste“ schon Sokrates).

Die Menschen „glaubten“ schon viel früher, dass etwa Gewitter oder Naturkatastrophen von Gott (oder auch: den Göttern) gesandt wurden, um sie für Fehler zu bestrafen (man denke an die alttestamentarischen Horrorgeschichten Marke Sintflut). Auf diesem „Irrglauben“ beriefen sich dann auch ihre irdischen Verhaltensmuster – von den Opferfesten (wie die heutige Ostertradition eigentlich noch eines ist) bis hin zum wöchentlichen Gang in die Kirche („Buße tun“). Ist also das, was wir unter „Gewissen“ subsumieren könnten indirekt dieser „Gott“, der letztlich tief in uns ist? Glauben wir das…. Wissen wir es?

Noch so ein Fall: Ein Leben nach dem Tod, am besten im "Paradies". Wir glauben daran, weil wir dann doch keine absolute Sicherheit haben können (und wollen), ob es denn tatsächlich eines gibt. Denn alleine dieser Gedanke gibt uns Trost: Verstorbene, Liebgewonnene, Gegangene irgendwann wiederzusehen. Dass es ihnen besser geht, wenn sie von einer schweren Krankheit erlöst wurden.

Und in vielen Fällen spielt uns unser Kopf dann einen Streich, weil er den Mix aus Rationalität und „Glauben“ nicht zu verarbeiten weiß: Warum hat Gott sie aus dem Leben gerissen? Warum hat er sie zu sich geholt? Warum schon jetzt? Wenn er ein gerechter Gott ist, warum tut er das? Ist er dann gerecht? Gibt es ihn dann überhaupt?

Und spätestens hier stellt das Nicht-Wissen das Glauben vielfach in Frage. Denn wüssten wir eine Antwort auf diese Fragen, viele würden sie einfach nicht… glauben.

Gerade in diesem Fall weiß ich aber: es geht gar nicht um die Antwort. Wir Menschen sind Geschöpfe, die genug im Kasten haben, um – wenn wir das wollen – auch zu wissen: Wir brauchen dieses Paradies vielleicht gar nicht. Wir können das selber basteln - und tun das vielleicht auch; und zwar genau dort, wo wir auch sonst „glauben“: im Kopf, in der Seele, im Herzen (und vielleicht, wer „weiß“ das schon, hat uns dieser Gott-Typ diese Fähigkeit aus seinem Setzbaukasten zugeschanzt).

Was man im Herzen trägt, kann nicht sterben.

Das braucht man gar nicht glauben, das weiß man. Wenn man nun also an Gott glaubt, dann ist der selbstredend unsterblich. Und zwar genau deswegen. Und letztlich ist es damit völlig egal, ob es ihn "wirklich gibt" oder nicht.